20November2009
von werc | 17:26 Uhr | Märchen & Sagen
Norwegische Wissenschaftler haben bei Grabungen in 10 Metern Tiefe Spuren von altem Kupferdraht entdeckt. Die Forscher gehen davon aus, dass ihre Vorfahren bereits vor 100 Jahren ein Telefonnetz aufgebaut hatten.
Auch in Schweden wollte man es nun genauer wissen. Bis zu 20 Meter tief gruben die Archäologen und fanden Reste von Kupferdraht, der bereits vor 200 Jahren dort verlegt worden sein muss. Der Schluss liegt nahe: In Schweden gab es bereits 100 Jahre vor den Norwegern ein fortschrittliches Kommunikationsnetz.
In Finnland setzte Pekka Heikkinen noch eins obendrauf. In der Nähe von Ristijärvi grub sich der selbsternannte Archäologe auf einem Kartoffelacker 30 Meter in die Tiefe und fand … überhaupt nichts. Der Grund ist mehr als offensichtlich: Schon vor 300 Jahren muss Finnland bereits technologisch so hochentwickelt gewesen sein, dass die Bevölkerung ausschließlich drahtlos kommunizierte… :)
15November2009
von werc | 18:01 Uhr | Land & Leute
In Finnland ist das Tragen von Reflektoren (fin. “Heijastin”) für Fußgänger Pflicht! Als ich Anfang Oktober das erste mal von davon gelesen hatte, war ich zugegebenerweise schon etwas überrascht, aber laut §42 der Straßenverkehrsordnung sind während der dunklen Jahreszeit Reflektoren tatsächlich obligatorisch. Nun wird die Wirksamkeit niemand abstreiten, aber warum muss ein Gesetz die Verwendung durchsetzen und wie kam es dazu?
Die Geschichte der Sicherheitsreflektoren beginnt bereits in den 1950er Jahren. Die Plastik-Industrie wächst allmählich auch in Finnland und der Landwirt Arvi Lehti aus Pertteli versuchte sich mit seiner Kunststoffspritzgießmaschine neben der Herstellung von Haushaltswaren auch an der Produktion der allerersten Reflektoren für Karren und Pferdekutschen. Die steigende Verbreitung motorisierter Fahrzeuge und damit verbundene Nachfrage an Sicherheitsaustattung bescherten der Branche in den folgenden Jahren einen Aufschwung. Etwa seit Anfang der 60er gab es auch von Seiten der Behörden ein größeres Interesse an funktionierenden, einheitlichen Produkten und so resultierte aus der Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen der erste offiziell anerkannte Reflektor für Fußgänger. Mit großen Kampagnen wurde in den Regionen und Gemeinden für die Nutzung geworben. Darüber hinaus wurden auch in der Textilindustrie vermehrt reflektierende Materialien in die Kleidung genäht oder aufgeklebt. In ländlichen Gegenden nutzten zu der Zeit schon gut 40 % der Bevölkerung die Reflektoren.
Früher wie heute gab es allerdings Hersteller, die mit ähnlich aussehenden, aber minderwertigeren Produkten ein Stück vom Kuchen abhaben wollten. Mit den ersten geprüften Standards versuchten die nordischen Länder Ende der 70er Jahre dem entgegenzuwirken. Die Bestimmungen lassen sich in der heutigen Europäischen Norm 13356 („Warn-Zubehör für den nichtprofessionellen Bereich”) größtenteils wiederfinden.
Studien über die Wirksamkeit wurden unter anderem von Gun Johansson und Kåre Rumar von der Universität Uppsala durchgeführt. Wie der Name schon sagt, reflektiert der Reflektor Licht wieder zurück zur Quelle. Ein Autofahrer, der nachts mit Abblendlicht unterwegs ist, kann so einen Passanten anstatt in 40 m bereits 150 m vorher erkennen, mit Fernlicht steigt der Abstand sogar von 100 m auf 300 m. (Animation)
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- Bild: liikenneturva.fi
Die vielen Untersuchung zur Seh- und Reaktionsfähigkeit von Autofahrern in verschiedenen Situationen, sowie Studien zu entsprechenden Unfällen in Dunkelheit, nach denen etwa die Hälfte der Fußgänger mit einem Reflektor wahrscheinlich überlebt hätte, haben wohl zu den gesetzlichen Vorschriften geführt. Bereits seit 1982 ist in Finnland für Fußgänger das Tragen von Reflektoren „nach Einbruch der Dunkelheit auf unbeleuchteten Straßen außer Fuß- und Radwegen” vorgeschrieben. Im Januar 2003 wurde die Regelung schlussendlich auch auf beleuchtete Gebiete ausgeweitet.
Insgesamt finde ich das Ganze gar nicht so schlecht. Heute gibt es die Reflektoren in vielen Farben und Formen, von Gespenstern, Fledermäusen, Mumins und Herzen bis zu neutraleren Schneeflocken, Dreiecken oder Armbändern. Es ist hier nichts außergewöhnliches mehr, irgendwelche Rückstrahler an der Kleidung baumeln zu sehen und insgesamt haben sie sich mehr oder weniger auch zum Modeaccessoire entwickelt. Trotzdem ist in der Stadt nur jeder Dritte mit einem Reflektor ausgerüstet, in ländlichen Gegenden sind es immerhin über 60 %. Konsequenzen für Nichteinhaltung gibt es übrigens keine, in Finnland sind keine Strafen dafür vorgesehen…

8November2009
von werc | 17:37 Uhr | Flaggentage
Als Gegenstück zum Muttertag im Mai wird genau ein halbes Jahr später, am zweiten Sonntag im November, in Finnland, Island, Estland, Norwegen und Schweden der Vatertag (fin. “Isänpäivä”) gefeiert.
Traditionell wird der Tag hierzulande ganz in Familie begangen und natürlich wieder die Flagge gehisst. In den Schulen fertigen die Kinder selbstgemachte Basteleien und Glückwunschkarten für die Väter und Großväter an. Gekaufte Geschenke bestehen meist aus kleinen Dingen wie Rasierutensilien, Krawatten, Socken oder anderer warmer Winterkleidung.
Vermutlich wären die finnischen Männer von der deutschen Tradition, gemeinsam mit bierbeladenem Bollerwagen durch die Wälder zu wandern, auch nicht ganz abgeneigt. Im derzeitigen Schneematsch würde es aber möglicherweise nicht ganz so viel Spaß machen…
P.S. Alles Gute, Papa!! :)
7November2009
von werc | 22:05 Uhr | Allgemeines
Schon seit Anfang Oktober klackern hier die meisten Autos unüberhörbar über die Straßen. Im Gegensatz zu Deutschland sind Winterreifen mit Spikes, also kleinen Stahlstiften gegen das Rutschen auf eisglatter Fahrbahn, nicht verboten.
Mit dem kürzlichen Wintereinbruch war es langsam an der Zeit, auch mein Fahrrad den finnischen Bedingungen anzupassen. Seit dieser Woche bin ich also stolzer Besitzer zweier “polkupyörän nastarenkaat”, eines finnischen Nokian W106 mit 106 Spikes und einem von Biltema mit 144 Stück. Nach drei Stunden Wechseln, Schrauben, Ölen, Flicken und Einstellen ging es auf die erste Probefahrt. Der Unterschied zu den normalen Tourenreifen ist deutlich spürbar und ich freu’ mich schon im Winter das Radeln auf den zugefrorenen Seen ausprobieren zu können… :)
6November2009
von werc | 19:57 Uhr | Flaggentage
Schnee über Schnee, wohin das Auge blickt. Man könnte fast annehmen, die Schweden sind immer noch nicht so ganz glücklich über die finnische Unabhängigkeit und schicken aus Frust, dass heute wieder überall im Land die finnische anstatt der schwedischen Flagge gehisst wurde, unaufhörlich Winterwolken zum abtrünnigen Nachbarn. Aber auch nur fast. Der Schnee kam aus dem Baltikum, die Straßenkämpfe der 30er Jahre sind längst Geschichte und der Tag der Schweden hat auch weniger mit den „richtigen“ Schweden zutun, sondern erinnert an die Kultur der Finnlandschweden, sowie die zweite offizielle Landessprache.
Auf Initiative der damals neugegründeten Schwedischen Volkspartei wurde der Tag 1908 zum ersten Mal gefeiert, um das Zugehörigkeitsgefühl der schwedischsprachigen Minderheit zu stärken. Als Datum wurde der Todestag von König Gustav II. Adolf von Schweden gewählt. Er gilt als Wegbereiter für die Herrschaft Schwedens und starb 1632 in der Schlacht bei Lützen im Burgenlandkreis. Anfangs bestanden die Feierlichkeiten hauptsächlich aus Personenkult, begleitet von heftigen Kontroversen aufgrund der verschiedenen Sichtweisen auf die Geschichte und den Dreißigjährigen Krieg. Später im Zweiten Weltkrieg entspannte sich das Verhältnis jedoch wieder, als beide Staaten im Kampf gegen den gemeinsamen Feind im Osten wieder etwas näher zusammenrückten. Einige Zeit lang wurde dem Tag dann deutlich weniger Bedeutung zugemessen, erst ein gestiegenes Interesse an der Kultur von Minderheiten in den 70er Jahren lies die Tradition wieder aufleben.
Nach der Statistik des Tilastokeskus hatte Finnland Ende letzten Jahres 289.951 Einwohner (5,4%) mit schwedischer Muttersprache. Ein Sprachengesetz (PDF) regelt auf kommunaler Ebene, ob eine Gemeinde einsprachig finnisch- bzw. schwedisch- oder zweisprachig ist. Für die Anerkennung von beiden Sprachen muss z.B. die zweite von mindestens 8% der Bevölkerung oder mindestens 3000 Personen gesprochen werden. Das ist heute hauptsächlich entlang der Westküste um Vaasa, sowie nahezu an der gesamten Südküste der Fall (Karte). In Helsinki bemerkt man überall recht schnell die doppelsprachigen Straßenschilder, in Tampere sind diese hingegen ausschließlich in finnisch.
Seit gut 40 Jahre ist für Schüler das Erlernen der jeweils anderen Landessprache obligatorisch und auch für einen Universitätsabschluss verbindlich. Kritik gegen diese Zwangsmaßnahmen, in einer globalisierten Welt den Fokus nicht auf wichtigere Sprachen zu legen, werden von der Politik eher nicht geteilt. Auf der anderen Seite bliebe es in einem zweisprachigen Land wahrscheinlich nicht ohne Folgen. Das Zusammenleben und die gemeinsame Geschichte sind tief verwurzelt und finnlandschwedische Persönlichkeiten wie Jean Sibelius (Finlandia), Tove Jansson (Mumins) oder Linus Torvalds (Linux) stehen für Finnland als Ganzes.
Und was hat das alles mit roten Nasen zutun? :) Eigentlich gar nichts, außer das der TV-Sender YLE heute gleichzeitig auch den Nenäpäivä („Nasentag“) ausgerufen hat. Ursprünglich aus Großbritannien, hat sich das Konzept zum Sammeln von Spenden in oft mehrstündigen Fernsehsendungen genauso in andere Länder verbreitet. Der nächste Red Nose Day in Deutschland findet übrigens bereits nächste Woche am 12. November 2009 statt…

4November2009
von werc | 23:57 Uhr | Allgemeines
Eines meiner persönlichen Highlights im Feedreader ist tagtäglich der Comic mit Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter. Letzte Woche wurden in einem Gewinnspiel die Lieblingsfredcomics gesucht und kurzerhand auch alle Nichtgewinner zu Trostpreisgewinnern erkoren. Somit hatte ich heute einen Brief von Bastian mit original handgezeichnetem Fred im Briefkasten. Wuhuu!
Von hier aus nochmal ein herzliches Dankeschön nach Stuttgart. Die wunderhübsche Zeichnung wird auf jeden Fall einen prominenten Platz einnehmen.
Und so… :)
3November2009
von werc | 23:03 Uhr | Allgemeines
Trotz der ganzen schönen Dinge, die es in Finnland zu entdecken gibt, besteht ein Auslandssemester natürlich nicht nur aus Urlaub und Freizeit. Weil die Frage, wie ich denn hier eigentlich meine Zeit verbringe, immer mal wieder auftaucht, gibt es jetzt für euch exklusiv einen Einblick in meinen Terminkalender von September. Das Semester ist hier in zwei Hälften geteilt, d.h. im Oktober waren bereits Prüfungen und nach einer mehr oder weniger freien Woche ging das ganze wieder von vorn los. Zur Zeit sieht alles schon wieder ganz anders aus.
Ich hatte also vier mal die Woche Finnisch-Kurs und drei Vorlesungen über Hypermedia, Informations-Visualisierung, sowie ‘Finnische Gesellschaft & Kultur’. Dazu gab es wöchentlich sogut wie überall einiges an Hausaufgaben, Literaturrecherchen und zeitaufwendigen Belegarbeiten zu erledigen. Immerhin fiel bei manchen dadurch die abschließende Prüfung weg. Dazu treffe ich mich noch unregelmäßig mit meinem finnischen Tandempartner zum Kulturaustausch in deutscher Sprache.
Dann bin ich täglich etwa eine Stunde auf dem Rad unterwegs, um zur Uni zu pendeln, nehme mir zwei mal in der Woche Zeit für die Sauna und als es noch wärmer gewesen ist, waren wir noch öfters mal in den umliegenden Seen (fin.: “järvi”) baden.
Insgesamt bleibt irgendwie schon weniger Freizeit als in Chemnitz, aber dafür hat man sein Ergebnis weitestgehend selbst in der Hand und muss ggf. nicht wegen eines schlechten Tags zur Prüfung ein Jahr auf die Wiederholung warten. Und trotzdem bin ich froh, dass das ganze schon nach sieben Wochen wieder vorbei gewesen ist und ich mir jetzt einen freien Tag mehr leisten kann… :)
30Oktober2009
von werc | 23:04 Uhr | Allgemeines
Nachdem Chemnitz ja schon etwas eher dran war, hat es diese Woche nun auch in Tampere mehr oder weniger angefangen zu schneien. Seit heute bleibt der Schnee aber erst liegen.
Während sich die meisten ausländischen Studentinnen und Studenten über jede noch so kleine Schneeflocke freuen, wächst bei Peyman die Frustration von Tag zu Tag. Die finnischen Schneemassen vom letzten Winter haben wohl einige Erinnerungen hinterlassen… :-)
24Oktober2009
von werc | 21:57 Uhr | Flaggentage
„Die Vereinten Nationen geben ihr Möglichstes um zu reagieren — die großen Themen anzubringen, das große Ganze anzuschauen. Wir schmieden eine neue Multilateralität, die allen Menschen die richtigen Ergebnisse liefert, vor allem die am meisten gebraucht werden.“
Generalsekretär Ban Ki-moon
Botschaft zum Tag der Vereinten Nationen, 24. Oktober 2009
Anlässlich des Tages der Vereinten Nationen und des Gebetstages wurden heute wieder überall im Land die Flaggen gehisst. Vor genau 64 Jahren ist die Charta der Vereinten Nationen in Kraft getreten.
In dem völkerrechtlichen Vertrag werden unter anderem die Grundsätze, Organisationsstrukturen und Zusammensetzungen der Weltorganisation geregelt. Im Präambel wurden Ziele wie die Wahrung der Menschenrechte, Weltfrieden, Gleichbehandlung, Gerechtigkeit, sozialer Fortschritt, ein besserer Lebensstandard, sowie der Einsatz von Waffengewalt nur noch in gemeinsamem Interesse definiert. Auch wenn das ein oder andere Versprechen immer noch für viele ausschließlich auf dem Papier existiert und die Kritik z.B. an fehlenden Kompetenzen oder historisch bedingten Veto-Rechten durchaus berechtigt ist, so wäre die weltweite Zusammenarbeit ohne die Institution wohl weitaus komplizierter. 1971 hat die Generalversammlung in der Resolution 2782 (XXVI) empfohlen, den Tag der Vereinten Nationen in allen Mitgliedsstaaten als internationalen Feiertag einzuführen, um die Regierungen und Völker an die Ziele und Grundsätze der Charta zu erinnern…
10Oktober2009
von werc | 23:07 Uhr | Flaggentage
Zum ersten Mal seit meiner Ankunft wurde heute vor meinem Haus bzw. so ziemlich überall in Finnland die Nationalflagge gehisst. Der offizielle Fahnentag ist der Literatur und dem Nationaldichter
Aleksis Kivi (1834-1872) gewidmet.
Nach Jahrhunderten unter schwedischer Herrschaft war das Großfürstentum Finnland zu jener Zeit als Teil des Russischen Reiches mit einer weitgehenden inneren Autonomie ausgestattet und überall im Land gab es Anstrengungen zur Stärkung der finnischen Identität. Aleksis Kivi gilt als erster Autor, der moderne Literatur in finnischer Sprache herausbrachte. Sein einziger Roman „Seitsemän veljestä“ (Sieben Brüder) gehört heute zu den Klassikern der finnischen Kultur, war damals aber heftiger Kritik ausgesetzt. Geplagt von Depressionen und Schizophrenie verstarb Kivi verarmt im Alter von nur 38 Jahren. Laut Erzählungen waren seine letzten Worte „Minä elän!“ … Ich lebe!
Das Foto stammt von unserem heutigen Ausflug nach Helsinki und gibt einen kleinen Eindruck von den unzähligen Flaggen über den Dächern der Stadt. Ab 2011 wird es übrigens zwei neue Fahnentage geben, einen für den finnischen Komponisten Jean Sibelius und einen weiteren für Europa.