17Januar2010

Faszination Lappland

von werc | 18:09 Uhr | Allgemeines

Zwischen dem Ende meiner Prüfungen und Weihnachten war noch eine ganze Woche frei und rein zufällig hatte der lokale Reiseanbieter Aikamatkat gerade in dieser Zeit noch eine Reise nach Lappland im Angebot. Die perfekte Gelegenheit, das erste Semester schön ausklingen zu lassen und zur richtigen Jahreszeit ins Land des (finnischen) Weihnachtsmannes zu fahren. Am Montag, dem 14.12. ging es spät abends mit dem Bus auf die erste lange Nachtfahrt. In Tampere wurde es langsam richtig kalt und ein wenig Schnee lag auch schon, aber gegen die vorhergesagten -29 °C in Inari war es dann doch noch ganz annehmbar hier.

Dienstag:
Lordi-Platz in Rovaniemi
Gegen 9.00 Uhr morgens sind wir nach gut 700 km in Rovaniemi, der Hauptstadt finnisch Lapplands, angekommen. Der prognostizierte Sonnenschein lag zwischen 10.57 Uhr und 13.26 Uhr, bei unserer Ankunft war es also noch relativ dunkel. Viel von der Stadt haben wir nicht gesehen und bei -20 °C ist man dann doch bestrebt, das Umherlaufen auf ein Minimum zu reduzieren. Ein kurzer Abstecher zum Fluss Ounasjoki und ein Blick ins Stadtzentrum zum Kaffeetrinken mussten reichen. Danach ging es schon weiter zum Arktischen Zentrum und Provinzmuseum Lapplands, dem Arktikum. Dort gibt es jede Menge über die Natur, Menschen und Kulturen des Nordens und insbesondere Lapplands zu erfahren. Das Gebäude mit einem 174 m langen Glasgewölbe wurde bewusst als symbolisches Tor gen Norden gebaut. Das ganze Museum ist wirklich sehr anschaulich aufbereitet, die Führung lohnt sich und ich kann es auf jeden Fall weiterempfehlen. Dritte und natürlich obligatorische Station in Rovaniemi war das Weihnachtsmanndorf direkt auf dem Polarkreis. Hier in Finnland weiß jedes Kind, dass der „Joulupukki“ nicht am Nordpol, sondern im Korvatunturi (Ohrenberg) in Lappland wohnt. Als dort vor gut 60 Jahren aus Naturschutzgründen kein weihnachtliches Tourismuszentrum gebaut werden durfte, ist man kurzerhand auf das 200 km entfernte Rovaniemi ausgewichen. Polarkreis in Rovaniemi Eigentlich ist das Ganze mehr oder weniger ein Weihnachts-Shopping-Zentrum mit ganz vielen kleinen Läden. Darüber hinaus kann man den Bärtigen persönlich treffen und für 25 € ein Erinnerungsfoto mit nach Hause nehmen. Im offiziellen Weihnachtspostamt kann man das ganze Jahr über seine Weihnachtspost in einen speziellen Briefkasten stecken und die wird dann pünktlich zum nächsten Weihnachtsfest mit handgestempeltem Sonderstempel verschickt. Zudem landet dort jährlich die Post von mehreren hunderttausend kleinen und großen Kindern. Deren Umschläge, die z.B. nur mit „Santa in Finland” beschriftet sind, werden in kleinen Päckchen als Souvenir zu Gunsten von UNICEF verkauft. Wer sicher gehen will, dass die Post auch wirklich ankommt, der schreibt lieber an die offizielle Adresse: Santa Claus, FIN-96939 Arctic Circle. Mein Geschenk gab es übrigens nicht vom Weihnachtsmann, sondern vom ansässigen Juwelier: die 1 und 2 Cent Münze von Finnland. Glücklich und geschafft ging es anschließen noch einmal einige hundert Kilometer weiter in den Norden bis zum Jugendzentrum Vasatokka in Inari und kurz nach der Ankunft gab es auch schon die ersten Polarlichter zu sehen. Zudem ist die Lichtverschmutzung dort so gering, dass man endlich mal einen Sternenhimmel zu sehen bekommt, wie er richtig sein sollte…

Mittwoch:

Bereits um 8.00 Uhr steht theoretisches Überlebenstraining auf dem Stundenplan. Dort lernt man dann zum Beispiel, dass Bäume Richtung Norden kleinere und kürzere Äste haben oder wie man im Schnee ein Feuer macht. Größere Verletzungen sollte man sich lieber nicht zulegen, das nächste Krankenhaus ist gut 300 km entfernt in Rovaniemi. Feuerstelle Zum Schluss wurde noch der Umgang mit Karte, Kompass & GPS gelernt und dann ging es auch schon zum Schneeschuh-Orientierungslauf in den Winterwald. Wir hatten an dem Tag ziemliches Glück mit dem Wetter. Auch wenn die Sonne unter dem Horizont bleibt, wird es trotzdem hell und der Himmel rot wie eben ganz kurz vor einem richtigen Sonnenaufgang. Dazu noch mitten im Wald mit Unmengen von Schnee, auf dem man mit den Schneeschuhen ziemlich einfach querfeldein laufen kann. Schon dieses Erlebnis an sich war das Highlight des Tages. Den heißen Eintopf zum Mittagessen gab es auch gleich in der Natur und bei -22 °C war das Lagerfeuer nicht nur zum Kaffeetrinken ein beliebter Platz. Der Nachmittag bzw. die Zeit bis zum Eintreten der Dunkelheit um etwa 15 Uhr war gefüllt mit weniger erfolgreichem Eisangeln, Feuer machen und Quinzhee bauen. Letzteres ist eine Art Iglu, das aber nicht aus einzelnen Blöcken, sondern aus einem großen Schneehaufen gebaut wird, der von innen ausgehöhlt wird. Die Nordlichter am Abend waren diesmal noch schöner und weiter als am Tag zuvor.

Donnerstag:

600 km im Bus, nur um zum Arktischen Ozean zu fahren? Das Angebot klang nicht gerade verlockend, aber aufgrund fehlender Alternativen und der Empfehlung früherer Reisender bin ich doch mit – und es hat sich letztendlich gelohnt. Los ging es um 7.00 Uhr morgens als erstes zu den Kirchenstuben am Mantojärvi in Utsjoki. In fast kompletter Dunkelheit waren die Holzbauten aus dem frühen 19. Jahrhundert eher nicht besonders spannend. Tenojoki Den ganzen Tag über war der Himmel voller Wolken und zusammen mit den ständigen Schneeschauern wurde es auch nicht mehr richtig hell. Weiter ging die Fahrt entlang des zugefrorenen Tenojoki, dem lachsreichsten Fluss Europas. Im Spitzenjahr 2001 wurden ganze 250 Tonnen Lachs aus dem Flusssystem geangelt und dabei geht die Saison nur von Juni bis August. Nächste Station war Nuorgam, das nördlichste Dorf Finnlands und der EU. Auf der anderen Seite der Grenze und des Tenojoki liegt Norwegen, was man vereinzelt an der Zahl der Bauernhöfe sehen kann, die sich aufgrund der besseren Förderung durch die norwegische Regierung dort angesiedelt haben. Zum Einkaufen kommen sie dann aber doch lieber auf die finnische Seite und so hat der Supermarkt in Nuorgam extra ein erweitertes Angebot an Fleischprodukten. Je weiter man nach Norden fährt, desto mehr ändert sich die Landschaft. Die Bäume werden kleiner und in Norwegen gibt es dann nur noch Tundra. Die letzten Ausläufer des Golfstroms machen sich bemerkbar, das Klima wird wieder etwas milder und es liegt weniger Schnee als in finnisch Lappland. Das Ziel des Tages war Bugøynes, ein kleines Dorf mit jeder Menge Häuser finnischer Bauart und einem großen Strand zum Arktischen Ozean. Immerhin groß genug für eine Kirche und einmal im Monat kommt ein Pfarrer vorbei. Auf dem anliegenden Friedhof wächst im Sommer die eher seltene Jakobsleiter Polemonium Boreale. Trotz Minusgraden und Schneesturm ließen es sich zahlreiche Leute nicht nehmen, im eiskalten Meer zu baden. Oder eher schreiend hinein zu rennen und genauso schnell wieder heraus zum warmen Bus zurück. (Video) Wegen des schlechten Wetters und zahlreicher Schneeverwehungen ging es anstatt einer Runde auf dem gleichen Weg wieder zurück. Gelohnt hat sich der Tag vor allem wegen der beeindruckenden Landschaft und der kompletten Änderung der Vegetationszone in einem doch relativ begrenztem Gebiet. Das hatte ich so nicht erwartet.

Karte der gesamten Reisestrecke und der Fahrt zum Arktischen Ozean:


Freitag:

Ausschlafen! :) Erst 10 Uhr morgens steht der Skilanglauf-Kurs an. Mit Rücksicht auf die kompletten Neueinsteiger beschränkte sich das Fahren leider ausschließlich auf ein paar Runden im Gelände. Es war trotzdem wieder mal schön, eine Weile auf den Brettern zu stehen und ich hoffe das diesen Winter in Tampere noch etwas ausweiten zu können. Nach dem Mittagessen ging es mit dem Bus zur naheliegenden Rentierfarm. Von den samischen Züchtern gab es jede Menge zur Kultur und den Tradition der Samen, sowie natürlich alles über die Paarhufer zu erfahren. Rentiere geben z.B. relativ wenig Milch, aber die enthält dafür gut 17 % Fett. Nach der obligatorischen Runde im Rentierschlitten zum Erhalt des Rentierführerscheins gab es noch einen Kaffee aus der traditionellen Knollentasse. Die „Kuksa“ wird in einem langen Entstehungsprozess im Ganzen aus einer Birkenknolle hergestellt. Saamische Folklore Jede ist somit ein individuelles Einzelstück und für eine gute Tasse muss man schon mal bis zu 80 € auf den Tisch legen. Das hält einen dann wahrscheinlich wenigstens immer davon ab, die Tasse doch aus Versehen mal in den Geschirrspüler zu stecken. :)
Zum Kaffee gab es Live-Gesang überlieferter samischer Volksmusik, was in etwas wie in diesem Video klingt. Die offizielle Flagge der Saami gibt es übrigens erst seit 1986. Das heutige Design ging damals aus einem Wettbewerb hervor. Der Kreis auf den traditionellen Farben symbolisiert sowohl den Mond als auch die Sonne. Zurück in Vasatokka gab es abends zum Abschluss noch einmal die Gelegenheit, ein letztes mal die Nordlichter zu bestaunen. Dazu muss man übrigens auch bei klarem Himmel etwas Glück haben. Statistisch gesehen ist die beste Zeit von 22.00 bis 2.00 Uhr und selbst dann kann das Naturschauspiel auch mal nur wenige Minuten andauern. Früher gingen die Samen davon aus, dass die Seelen der Toten versuchen darüber zu kommunizieren. In einer anderen Erklärung rennt ein Fuchs über die weitläufigen Fjells und wirbelt dabei mit seinem Schwanz jede Menge Schnee auf, der dann vom Mondlicht reflektiert wird…

Samstag:

Mit Verspätung ging es 9.00 Uhr zurück Richtung Tampere. Den Tag verbrachten wir aber erst noch im 80 km entfernten Saariselkä, um Husky-Schlitten, Schneemobil oder Ski zu fahren. Ich hatte mich für ersteres entschieden und allein die Ankunft war schon ein großartiges Erlebnis. Husky-Hundeschlitten Überall bellten die etwa 50 Hunde an den Schlitten und waren ganz wild darauf, endlich losrennen zu dürfen. In einem Schlitten waren immer zwei Leute, einer saß vorn und einer durfte „fahren”. Die 60 € war es auf jeden Fall wert, aber leider ging das Ganze viel zu schnell vorbei. Die restlichen 6 Stunden habe ich dann in den Läden der Stadt herumgeschlagen. Generell sind im Supermarkt mehr Rentierprodukte zu finden, als normalerweise in Finnland. Dabei ist nicht alles, was aus Lappland scheint, wirklich von dort. Ein Blick auf das Etikett verrät, dass die alkoholischen Knacker oder „Lappland-Kondome” aus deutscher Produktion stammen. Passt zumindest dazu, dass hier auch viele Hinweisschilder ebenso in Deutsch zu finden. Auf Straßenschilder besinnt man sich dann aber wieder auf die eigene Bevölkerung und so ist dort neben der finnischen immer auch noch die samische Bezeichnung mit angegeben. Punkt 18.00 Uhr ging es dann schließlich endgültig zurück auf die gut 1.000 km lange Reise in wärmere Gefilde…


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6Januar2010

Große Pulla-Bäckerei

von werc | 21:07 Uhr | Kulinarisches

Heute habe ich mich zusammen mit Micha aus Leipzig zum erste Mal an selbstgemachten „Pulla” probiert. Das finnische Hefegebäck gibt es in vielen unterschiedlichen Formen und Variationen. Für den Anfang waren die kleinen und relativ einfachen Pikkupulla gerade richtig. Unsere Komposition von vier mehr oder weniger verschiedenen Rezepten bestand aus:

  • einem halben Liter Milch (maitoa)
  • zwei Eiern (kananmunia)
  • einer kleinen Tasse Zucker (sokeria)
  • einem Teelöffel Salz (suolaa)
  • zwei Teelöffeln Kardamom (kaardemummaa)
  • zwei Beuteln (je 11 g) Trockenhefe (kuivahiivaa)
  • gut einem Kilo Weizenmehl (vehnäjauhoja)
  • 150 g Butter (voita)
Pulla-Rolle schneiden

Als erstes wird die Milch erwärmt, die Butter geschmolzen und anschließend beides mit allen restlichen Zutaten zusammengemischt. Gut verrührt und ordentlich durchgeknetet sollte ein schöner Teig daraus geworden sein. Dem lässt man dann gut eine Stunde Zeit, an einem warmen Ort richtig aufzugehen. Danach den Teig in zwei Hälften teilen und beide in der gleichen Größe ausrollen. Die eine wird mit zerlassener Butter bepinselt und mit Zucker bestreut, die andere kommt anschließend als Deckel oben drauf. Als nächstes wird das Ganze wie zu einer Wurst zusammengerollt und in fingerdicke Streifen geschnitten. Zu guter Letzt alles auf einem Backblech im vorgeheizten Backofen bei 200° C goldbraun backen (etwa 10 Minuten).
Et voilà … ofenfrisch besonders lecker und überaus köstlich. :)

Finnische Pulla

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1Januar2010

Auf ein neues…

von werc | 15:08 Uhr | Allgemeines

Frohes neues Jahr 2010 Guten Morgen und ein fröhliches, gesundes & glückliches neues Jahr 2010 an euch alle. Ich hatte einen schönen Jahreswechsel mit jeder Mengen Finnen um mich herum. Dafür war das Feuerwerk allgemein eher dürftig und überhaupt nicht mit dem zu vergleichen, was man sonst aus Deutschland gewohnt ist. Die Innenstädte von Tampere und vieler anderer finnischer Städte sind weiträumig knallerfreie Zone und darüber hinaus sind diesmal neue gesetzliche Regelungen in Kraft getreten.

Sinngemäß gilt jetzt:

  • Der Verkauf und die Übergabe von Feuerwerk an Kinder unter 18 Jahren, sowie Betrunkene, ist verboten, ebenso wie der Besitz. Das Verbot gilt ebenfalls für Wunderkerzen, auch wenn auf der Verpackung der Produkte eine niedrigere Altersgrenze angegeben ist.
  • Bei der Verwendung von Feuerwerkskörpern sollte immer eine Schutzbrille getragen werden.
  • Der Gebrauch von Feuerwerkskörpern im neuen Jahr wird um zwei Stunden gekürzt. Die Verwendung ist nur vom 31.12. 18.00 Uhr bis 1.1. 02.00 Uhr zulässig. Auf lokaler Ebene sind abweichende Regelungen möglich.

Auf der anderen Seite will bei -15° C auch niemand lange um die Häuser ziehen und danach liegt wirklich kaum Müll auf den Straßen. Eben der finnische Weg, alle Interessensgruppen möglichst unter einen Hut zu bringen und die Umwelt zu schonen… :)

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25Dezember2009

Joulun aikaa – Weihnachtszeit

von werc | 23:49 Uhr | Allgemeines

Wenn man aus dem Weihnachtsland mit all’ seinen erzgebirgischen Schwibbögen, Pyramiden, Bergparaden und großen Weihnachtsmärkten nach Tampere kommt, dann ist die Weihnachtszeit hier schon ein klein wenig enttäuschend. Nichtsdestotrotz geben sich nicht nur die großen Warenhausketten Mühe, etwas Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen. Und mit heißem Glögi, Plätzchen und dem Jouluradio lässt sich’s auch zu Hause ganz gut aushalten. :)

Als Einstimmung auf die dunkle Jahreszeit wurden schon Ende Oktober die 44. Lichterwochen eröffnet. Bürgermeister Erkki Lindforsin brachte die Idee damals von einem Besuch in der Partnerstadt Essen mit, wo schon seit 1950 derartige Beleuchtungen installiert wurden. Zum Start hielt der stellvertretende Bürgermeister die Eröffnungsrede neben Finnisch sogar auch in Englisch. Nach einer Show von Feuerkünstlern und dem obligatorischen Feuerwerk wurden die 30.000 Glühbirnen und gut 3.000 LEDs angeschaltet. Fast 11 Wochen lang beleuchten die 175 Motive nun jeden Abend bis 22.30 Uhr zusätzlich die Innenstadt. Offizielle Repräsentantin ist in diesem Jahr die Studentin Mari Koppanen. Als Valon neito (Jungfrau des Lichts) soll sie die Freude des Lichtes zu denjenigen bringen, die nicht selbst in die Stadt kommen können, um die Lichtinstallationen zu bewundern.

Mit einer Parade am 22. November eröffneten hauptsächlich die großen Warenhäuser die Weihnachtszeit in der Stadt. Im Anschluss wurde dann die Beleuchtung am Weihnachtsbaum auf dem Keskustori feierlich angeschaltet. Ringsherum wurden noch so einige Sachen für Kinder organisiert und das erste mal in meinem Leben habe ich einen Kinderwagenparkplatz gesehen. Da hatte wirklich jemand mitgedacht. :) Gleichzeitig wurde an dem Wochenende auch das Weihnachtsdorf im Stallhof Tallipiha eröffnet.

Der richtige Weihnachtsmarkt öffnete erst am 11. Dezember seine Tore. Im Vergleich zu Chemnitz ist der Tampereen Joulutori eher winzig. Größtenteils werden Dekorations- und Kunstgegenstände, sowie Holzprodukte verkauft. Essen und Trinken spielt keine so große Rolle, was vielleicht auch darauf zurückzuführen ist, dass kein Alkohol verkauft werden darf. Auch in diesem Jahr wurde der Antrag auf eine Lizenz zum Ausschenken von Glühwein wieder zurückgewiesen, da eine potentielle Gefährdung für Kinder nicht ausgeschlossen werden kann. Kritik an dieser Regelung gab es von allen Seiten, aber die Entscheidung wurde letztendlich von der großen Politik getroffen.

An Heiligabend wird schließlich die traditionelle Erklärung des Weihnachtsfriedens neben der offiziellen Verkündung in Turku auch vom Balkon des alten Rathauses in Tampere verlesen und anschließend singen alle gemeinsam Enkeli taivaan. Vom Himmel hoch, da komm ich her…


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20Dezember2009

Rotes Lamm für guten Mann

von werc | 21:13 Uhr | Märchen & Sagen

…und wenn das vierte Lichtlein brennt, dann gibt es wie versprochen die vierte Geschichte aus Finnland.

Das rote Schaf, an dem alles hängenblieb Grübelmännchen

Es war einmal ein Hirte, der hütete die Schafe. Sein Herr hatte mit ihm ausgemacht, dass er für jedes Schaf, das geboren werde, dreißig Heller Lohn bekomme und für jedes, das verloren ginge, dreißig Heller abgezogen werden sollte.

Eines Nachts kam ein Wandersmann zu ihm in den Wald, wo er sich eine hübsche Hütte gebaut hatte, und bat ihn um Quartier. Der Hirte willigte ein und bot ihm sogleich auch ein Mahl: „Ich will einmal dreißig Heller draufgehen lassen.” So ging er hin, schlachtete ein Lamm und kochte das Fleisch für den Wandersmann. Dann begaben sie sich beide zur Ruhe.

Am anderen Morgen sagte der Wanderer: „Geh und sieh nach deinen Schafen!” Er ging hin und die ganze Wiese war voll von Schafen. In der Mitte der Herde stand ein großes rotes Lamm. „Lass alle Schafe deinem Herren. Nur das Rote behalte für dich”, sprach der Fremde. Und so tat er es auch.

Zur Nacht kehrte er mit dem roten Lamm in eine Herberge ein, um dort zu nächtigen. Die Tochter der Herbergseltern ging morgens in den Stall und wollte sich ein paar rote Locken von dem Schaf abschneiden, um sich ein paar schöne Handschuhe daraus zu machen. Doch ihre Hände blieben an dem Schaf hängen und so fing sie an laut zu schreien. Ihr Vater kam angerannt und schlug mit der Rute nach dem Schaf. Doch auch die Rute blieb am Schaf hängen und der Mann am Rutenstiel. Schließlich kam die Mutter mit dem Kehrbesen zur Hilfe, aber auch der blieb am Schaf hängen und die Mutter am Kehrbesen.

Es ergab sich, dass die Tochter des Königs immer traurig war und niemals lachte. Der König hatte deshalb verkünden lassen, das wer seine Tochter zum Lachen bringe, sie zur Frau und dazu das halbe Königreich erhalten werde. Der Hirte nahm das rote Schaf, zog die Herbergsfamilie hinter sich her und wollte sein Glück bei der Prinzessin versuchen. Als sie das komische Gespann sah, konnte sie sich vor Lachen kaum halten.

Da gaben sie ihm die Prinzessin zur Frau und die Hälfte des Königreichs. Danach machte er die andern frei, und sie lebten glücklich, und vielleicht leben sie heute noch…

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13Dezember2009

Luciafest

von werc | 1:01 Uhr | Märchen & Sagen

Immer am 13. Dezember des Jahres wird hauptsächlich in Schweden und Skandinavien, aber auch in anderen Ländern wie Italien und Kroatien das Luciafest gefeiert. Statt einer lustigen Fabel gibt es also passend dazu diesmal die kirchliche Erzählung über die frühchristliche Märtyrerin.

Die Heilige Lucia

Lucia von Syrakus soll bereits von 283 bis 304 in Italien gelebt haben. Sie entstammte einer wohlhabenden Patrizierfamilie. Ihr Vater starb, als sie erst fünf Jahre alt war. Das Verhältnis zu ihrer Mutter Eutychia war dafür umso enger und diese lehrte ihr unter anderem Menschlichkeit und Nächstenliebe. Das Christentum verbreitete sich gerade zu dieser Zeit, was die verschiedenen Kaiser im römischen Reich mehr oder weniger versuchten zu unterbinden. Als Jugendliche kam auch Lucia mit den christlichen Lehren in Kontakt und besuchte die geheimen Versammlung in den Katakomben.

Da ihre Mutter an einer schweren Krankheit litt und sie von den Wundern am Grab der heiligen Agatha gehört hatte, reisten beide nach Catania, um ihr Glück zu versuchen. Beim Gebet in der lokalen Kirche erschien dann auch die heilige Agatha und sagte „O Jungfrau Lucia, warum bittest du mich um etwas, was du selbst für deine Mutter tun kannst? Allein mit deinem festen Glaube hast du ihr geholfen und von nun an ist sie geheilt.” Und so war es.

Eigentlich wollte Eutychia ihre Tochter sobald wie möglich verheiraten, aber nach dem Wunder erkannte sie an, dass Lucia sich ausschließlich zu Gott gewandt und ihre ewige Keuschheit geschworen hatte. Verehrer blieben trotzdem nicht aus und so kam es, wie es kommen musste: Aus Wut über die Abweisung wurde sie von einem der Bewerber als Christin enttarnt und angeklagt, am 13. Dezember 304.

Der Prokonsul Pascasio kümmerte sich um die Klagen gegen Christen und ließ Lucia noch am gleichen Tag vorführen, doch auch er konnte sie nicht von ihrem Gelübde abbringen und verurteilte sie daher, in einem Bordell verunreinigt werden. Erfüllt vom heiligen Geist versteinerte Lucia und wurde schwer wie ein Berg. Die vielen starken Wachen und mehrere Ochsen waren nicht in der Lage, sie von der Stelle zu bewegen. Selbst ein ringsherum entfachtes Feuer konnte ihr nichts anhaben.

Heilige Lucia von Syrakus „Meine Stunde ist gekommen.” Vorbereitet, als Märtyrerin für das Christentum zu sterben, ließ sie sich letztendlich von einem Soldaten mit einem Schwertstich in den Hals zu Tode richten…


In vielen Bildnissen der heiligen Lucia kann man zwei zusätzliche Augen finden. Einige erzählen, dass diese von Soldaten mit einer Gabel ausgestochen wurden. In einer anderen Version soll sie sich diese selbst als Geschenk für ihren Verehrer herausgerissen haben, der immer so von ihren strahlenden Augen schwärmte und sie nun endlich in Ruhe lassen sollte. Für diesen großen Beweis an Hingabe soll Gott ihr daraufhin zwei noch schönere Augen geschenkt haben. :)

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24. November 2017, 14:58
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