21Februar2010

Faschingshefezöpfe

von werc | 23:49 Uhr | Kulinarisches

Zum Ende der Faschingswoche stand heute ein neues Rezept auf dem Programm: Suomalaiset Laskiaispitkot, finnische Fastnachtshefezöpfe. Bis zu sieben Leute wusselten dazu gleichzeitig in unserer Küche herum, um die Kalorienbomben herzustellen. Die Zutaten für den Grundteig sind die gleichen wie bei normalen Pulla. Diesmal brauchen wir

    Sahnespritze

  • einen viertel Liter Milch (maitoa)
  • ein Ei (kananmuna)
  • 75 ml Zucker (sokeria)
  • einen 3/4 Teelöffel Salz (suolaa)
  • einen halber Esslöffel Kardamom (kaardemummaa)
  • eine Tüte (11 g) Trockenhefe (kuivahiivaa)
  • 700 g Weizenmehl (vehnäjauhoja) und
  • 75 g Butter (voita).

Für die Füllung eines Zopfes kommen noch einmal

  • 200 ml Schlagsahne (kuohukermaa)
  • rund 125 g Mandelmehl (mantelijauhetta)
  • 1 Esslöffel Zucker (sokeria)
  • ein Teelöffel Vanillezucker (vanilliinisokeria) sowie
  • etwa 100 g Erdbeer- oder Himbeermarmelade dazu.

Außerdem werden zum Bestreuen etwas Ei, Hagelzucker und Mandelsplitter benötigt.

Auf geht’s! In die lauwarm erhitzte Milch werden anfangs etwas Mehl und die Hefe gerührt, sowie anschließend auch gleich das Ei, Zucker, Kardamom und Salz. Während des Knetens das restliche Mehl und gegen Ende die zerlassene Butter zugeben. Sobald der Teig schön weich ist und nicht mehr an den Händen klebt, darf er abgedeckt an einem warmen Örtchen gut eine halbe Stunde lang aufgehen.

Hefezöpfe Im Anschluss den Teig, idealerweise auf einer mehlbestreuten Arbeitsfläche, in zwei Hälften teilen und diese jeweils zu drei langen Röllchen formen. Diese werden, individuell je nach Erfahrung oder Kreativität, zu einem hübschen Zopf zusammengeflochten. Direkt auf einem Backblech mit Backpapier dürfen die Kreationen weitere 20 Minuten ruhen. Danach die Oberfläche noch mit Ei bestreichen und dem Hagelzucker sowie den Mandelsplittern bestreuen, bevor die Zöpfe gut 15 Minuten lang bei 200 °C im vorgeheizten Backofen auf der untersten Schiene gebacken werden.

Für die Füllung wird die Schlagsahne steif geschlagen und dabei gleich das Mandelpulver, Zucker und Vanillezucker mit untergerührt. Wenn die Zöpfe abgekühlt sind, werden sie der Länge nach aufgeschnitten. Die untere Hälfte wird dann mit der Marmelade bestrichen und anschließen die Mandelsahne darauf gespritzt. Zum Schluss die obere Hälfte wieder draufsetzen und das ganze mit Tee oder Kaffee serviert. Hyvää ruokahalua! :)
Hefezopf zerschneiden

Tipp: Das Schneiden in mundgerechte Stücke kann eine ganz schöne Schmanderei werden. Es lohnt sich unter Umständen das bereits vor dem Füllen zu erledigen.

Kiitoksia Vanessalle ensimmäisestä käännöksestä. :)

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13Februar2010

Akademisches Kyykkä

von werc | 18:13 Uhr | Sport

Kyykkä Einst aus Karelien stammend, erfreut sich Kyykkä heute in ganz Finnland zunehmender Beliebtheit. Das Ziel des Spiele ist es, kleine hölzerne Zylinder durch das Werfen einer Art Baseballschläger aus dem eigenen Spielfeld zu schießen. Zu einem der größten studentischen Sportereignisse des Jahres hatten sich heute über 4.000 Studenten an der Technische Universität Tampere in Hervanta versammelt, um bei den 45. Akademischen Meisterschaften im Kyykkä gegeneinander anzutreten. So gut wie alle trugen den typischen Overall ihres Fachbereichs und/oder anderweitige Kostüme und erwartungsgemäß war jede Menge Alkohol im Spiel. Insgesamt eine ganz lustige Veranstaltung, die bei winterlichen -13 °C natürlich noch viel mehr Spaß macht… :)


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6Februar2010

Schnee-Tango WM

von werc | 23:57 Uhr | Allgemeines

Wenn sich bei Schnee und Minusgraden bunt gekleidete Menschen bei lauter Musik in der Innenstadt versammeln, muss es sich nicht zwangsläufig um betrunkene Studenten handeln. Stattdessen fand heute die alljährliche Weltmeisterschaft im Schnee-Tango (Lumitango) statt. Auf einer Fläche von 15 m x 15 m konnten die Teilnehmer auf dem Keskustori ihre Tanzkünste unter Beweis stellen. Darüber hinaus durften die Zuschauer über das schönste Kostüm abstimmen. Erlaubt war alles, solange überhaupt Kleidung getragen wurde. Am Ende konnte das Gewinnerpaar Matti Tuominen und Armi Tanskanen gleich einen doppelten Erfolg verbuchen und beide Preise mit nach Hause nehmen…

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5Februar2010

Runeberg-Tag

von werc | 14:47 Uhr | Flaggentage

Runeberg-Törtchen Heute vor 206 Jahren wurde der finnische Nationaldichter Johan Ludvig Runeberg geboren. Sein bekanntestes Werk sind die Erzählungen des Fähnrich Stål. Das erste Gedicht daraus, Vårt land („Unser Land“), ist heute weitläufig als finnische Nationalhymne bekannt. Bei offiziellen Anlässen wird jedoch nur die erste und die letzte Strophe gesungen.

Zu seinen Ehren wird heute nicht nur vielerorts die Flagge wieder aufgezogen, sondern man kann diese Woche auch sogut wie überall im Land die Runeberg-Törtchen erwerben. Die traditionelle Süßspeise mit Mandeln und Himbeermarmelade findet man den Rest des Jahres ausschließlich in Konditoreien in Porvoo, wo Runeberg lange Zeit arbeitete und lebte.

Der Legende zufolge hat seine Cousine und Ehefrau Fredrika Charlotta den kleinen Kuchen erfunden und Runeberg gönnte sich jeden Morgen ein Törtchen, zusammen mit einem Glas Schnaps. Historiker fanden jedoch heraus, dass der ortsansässige Konditormeister Lars Astenius das Küchlein bereits Jahre zuvor kreiert hatte und der heutige Name somit nur auf Runebergs Vorliebe dafür zurückgeführt werden kann. Geschmack hatte er jedenfalls, die Dinger sind durchaus köstlich… :)

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30Januar2010

Finnisches Preisniveau

von werc | 22:04 Uhr | Allgemeines

Minimarkt Skandinavien und Finnland haben den Ruf, verglichen mit dem restlichen Europa ein besonders hohes Preisniveau zu besitzen. Natürlich ist an dem Ganzen schon etwas dran. Der allgemeine Mehrwertsteuersatz in Finnland liegt derzeit bei 22 Prozent, sowie 12 Prozent für Nahrungsmittel und 8 Prozent auf vergünstigte Sachen, wie z.B. Sportveranstaltungen oder Theaterbesuche. Zum Vergleich: Deutschland nimmt zur Zeit gerade einmal 19 Prozent, sowie 7 Prozent für Lebensmittel und andere ermäßigte Dinge.

Trotzdem kommt man hier mit den kleinen Einkäufen des Alltags schon relativ einfach zurecht, ohne ständig pleite zu sein. Die wenigsten trinken jeden Abend in der Disko ihr 5 Euro Bier, in der Uni wird das Essen sowieso stark subventioniert und mit einem Blick für das ein oder andere Angebot im Supermarkt kann man auch schon mal die Hälfte sparen. Nach meiner Rückkehr hatte ich relativ zeitnah mal die Preise aus Chemnitz mit denen hier verglichen:

LIDL Chemnitz   LIDL Tampere   S-Markt Tampere
450 g Marmelade 0,99 1,38 1,09
500 g Spaghetti 0,39 0,49 0,55
1 kg Äpfel 1,79 (IT) 1,39 (FI) 0,85 (FI)
1 kg Zucker 0,69 0,81 0,81
1 kg Bananen 0,79 0,85 0,99
2 kg Kartoffeln 0,69 0,79 0,59
1,5 l Orangensaft 0,95 1,23 1,05
1,5 l Mineralwasser 0,19 0,96 1,06
1 l einheimische Milch 1,5% 0,48 0,78 0,91
1 l einheimische Milch 3,5% 0,54 0,80 0,91

(jeweils günstigsten Preise in Euro bei möglichst gleicher Menge)

Manches kann man umgehen und anstatt Mineralwasser zu kaufen, z.B. jeden Tag eine große Kanne Tee kochen. Dafür kann ich mir dann guten Gewissens finnische Milchprodukte leisten und werde ganz bestimmt keine billigen aus deutscher Herstellung nehmen, die erstmal durch halb Europa transportiert wurden. Kann man leider nicht überall machen, aber irgendwo muss man mal anfangen… :)


P.S.: Aktuelle Meldung vom nationalen Vorausscheid aus der Leonardo Halle in Tampere: Beim diesjährigen Eurovision Song Contest in Oslo wird das das Duo Kuunkuiskaajat („Mondflüsterer”) mit „Työlki ellää” für Finnland antreten. Paljon onnea! (:

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24Januar2010

Goldgelbe Vanilleaugen

von werc | 22:12 Uhr | Kulinarisches

Auf unseren ersten Backversuch wollten wir natürlich so bald wie möglich noch einen draufsetzen. Die nächste Stufe hieß somit heute Vaniljasilmäpullat, „Vanilleaugen-Pulla”. Diesmal hatten wir es bei einem Rezept belassen, aber die Zutaten verdoppelt. Ohne maschinelle Hilfe hieß das zunächst erstmal jede Menge Knet-Arbeit. Zum selber Ausprobieren braucht ihr

    Pulla-Nester

  • 900 g Weizenmehl
  • 300 ml Milch
  • 100 g Butter
  • 100 ml Zucker
  • 50 g frische Hefe
  • zwei Teelöffel Kardamom
  • einen halben Teelöffel Salz

und für die Füllung zusätzlich

  • einen Beutel Vanillesaucenpulver
  • 200 ml Milch
  • Ei zum Einschmieren, sowie
  • Zucker zur Dekoration.

Die Milch wieder etwas erwärmen und dann mit der Hefe, Zucker, Salz, Mehl, Butter und dem Kardamom zu einem schönen Teig zusammenkneten. Der darf dann mindestens 30 Minuten lang an einem warmen Ort ordentlich aufgehen. Anschließend kleine Beefsteaks/Frikadellen/Buletten/Fleischpflanzerl formen, in die Mitte eine Vertiefung für die Füllung drücken und das Ganze mit Ei bestreichen. Die Vanillesauce (bei uns 4 dl „Vanhan ajan Vaniljakastike”) mit den 200 ml Milch anrühren, die Pulla damit befüllen und für 15 Minuten bei 225 °C in den vorgeheizten Backofen schieben. Am Ende kann das Ganze noch mit warmer Butter bestrichen und mit Zucker dekoriert werden. Nicht ganz das Gleiche wie in der Cafeteria (1,20 € pro Stück), aber das Resultat kann sich sehen lassen…

Vanilleaugenpulla

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21Januar2010

Lieblingssport Eishockey

von werc | 23:43 Uhr | Sport

Seit gut einer Woche bin ich Mitglied bei ESN FINT und das hat nicht nur einen zusätzlichen Aufkleber auf meinem Studentenausweis zur Folge, sondern bot auch gleich die Gelegenheit, günstig an Eintrittskarten für Eishockey (Jääkiekko) zu kommen. In der lokalen Hakametsä Eishalle traf Tappara Tampere auf die Jokerit aus Helsinki. Beide spielen in der SM-Liga, der obersten finnische Eishockeyliga.

Mit rund 6.000 Zuschauern war die Halle recht gut gefüllt. Tore gab es allerdings erst im letzten Drittel zu sehen, als Helsinki nach 49:30 Minuten den Puck im Tor versenkte und Tampere nur anderthalb Minuten später den Ausgleichstreffer erzielte. Mit einem weiteren Treffer in der Nachspielzeit konnte Tappara das Spiel schließlich für sich entscheiden. Immerhin bekommen die Jokerit nach dem finnischen Punktesystem trotzdem einen Punkt für den späten Spielausgang.

In Tampere gibt es übrigens mit Ilves gleich zwei Teams in der selben Liga und auch wenn tausende jede Woche in die Eisstadien pilgern, so gilt Eishockey nicht als finnischer Nationalsport. Der Ruhm wird Pesäpallo, einer Art finnischem Baseball, zuteil, was allerdings nicht ganz so viele Zuschauer anzieht…

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20Januar2010

Ode an die Freude

von werc | 16:03 Uhr | Allgemeines

Winterfest Hyvää syntymäpäivää! Heute vor genau einem Jahr gab es den ersten Beitrag in diesem Blog. An dem Dienstagnachmittag wurden 2009 die E-Mails mit der Zusage für die Erasmus-Plätze verschickt und seitdem ging alles mehr oder weniger seinen Lauf.

So richtig wusste ich nicht, was auf mich zukommt. Andere waren begeistert zurückgekommen. „Es wird dir dort gefallen!” Auf der Bestätigungsliste war ich der Einzige für Tampere. Ich habe Fotos gesehen, Erfahrungsberichte gelesen und hatte die finnische Landschaft schon zuvor lieben gelernt. Die Erwartungen waren nicht groß, einfach nur mal weg, was ganz anderes sehen. Und doch blieben einige Zweifel, wie den sprachlichen Anforderungen gewachsen zu sein.

Eigentlich möchte ich nicht zurückblicken, ich stecke immer noch mittendrin, und doch ist so viel passiert. Erst der Sommer, Baden in den glasklaren Seen, Barbecue, auf Entdeckungstour in Tampere und Start an der Uni. Bunter Herbst, das langsame Einleben, Verstehen, Genießen, Dunkelheit erleben. Jetzt der ganze Schnee, Eiseskälte, Schwitzen in der Sauna, Eislochbaden, die Nordlichter. Immer wieder lernt man neue Menschen kennen, findet Freunde von überall auf der Welt, erlangt Einblicke, ungewohnte Ansichten, „kulturelle Kompetenzen”. Wenn man die Angebote wahrnimmt, kann man zudem so viel über die finnische Kultur lernen und spürt förmlich die Begeisterung für die Ideale der nordischen Lebensart.

Höchstwahrscheinlich werden zur Zeit wieder jede Menge E-Mails mit Zusagen für einen Erasmus-Platz verschickt und ich wünsche allen die gleichen wunderbaren Erfahrungen und Begegnungen. Meine Zweifel erwiesen sich sehr schnell als unbegründet. Natürlich braucht man immer etwas Glück und sollte mit Aufgeschlossenheit & offenen Augen durch’s Leben gehen, aber die Zeit wird auf jeden Fall unvergesslich bleiben. Ich kann es jedem nur weiterempfehlen, natürlich am besten in Finnland… :)

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17Januar2010

Faszination Lappland

von werc | 18:09 Uhr | Allgemeines

Zwischen dem Ende meiner Prüfungen und Weihnachten war noch eine ganze Woche frei und rein zufällig hatte der lokale Reiseanbieter Aikamatkat gerade in dieser Zeit noch eine Reise nach Lappland im Angebot. Die perfekte Gelegenheit, das erste Semester schön ausklingen zu lassen und zur richtigen Jahreszeit ins Land des (finnischen) Weihnachtsmannes zu fahren. Am Montag, dem 14.12. ging es spät abends mit dem Bus auf die erste lange Nachtfahrt. In Tampere wurde es langsam richtig kalt und ein wenig Schnee lag auch schon, aber gegen die vorhergesagten -29 °C in Inari war es dann doch noch ganz annehmbar hier.

Dienstag:
Lordi-Platz in Rovaniemi
Gegen 9.00 Uhr morgens sind wir nach gut 700 km in Rovaniemi, der Hauptstadt finnisch Lapplands, angekommen. Der prognostizierte Sonnenschein lag zwischen 10.57 Uhr und 13.26 Uhr, bei unserer Ankunft war es also noch relativ dunkel. Viel von der Stadt haben wir nicht gesehen und bei -20 °C ist man dann doch bestrebt, das Umherlaufen auf ein Minimum zu reduzieren. Ein kurzer Abstecher zum Fluss Ounasjoki und ein Blick ins Stadtzentrum zum Kaffeetrinken mussten reichen. Danach ging es schon weiter zum Arktischen Zentrum und Provinzmuseum Lapplands, dem Arktikum. Dort gibt es jede Menge über die Natur, Menschen und Kulturen des Nordens und insbesondere Lapplands zu erfahren. Das Gebäude mit einem 174 m langen Glasgewölbe wurde bewusst als symbolisches Tor gen Norden gebaut. Das ganze Museum ist wirklich sehr anschaulich aufbereitet, die Führung lohnt sich und ich kann es auf jeden Fall weiterempfehlen. Dritte und natürlich obligatorische Station in Rovaniemi war das Weihnachtsmanndorf direkt auf dem Polarkreis. Hier in Finnland weiß jedes Kind, dass der „Joulupukki“ nicht am Nordpol, sondern im Korvatunturi (Ohrenberg) in Lappland wohnt. Als dort vor gut 60 Jahren aus Naturschutzgründen kein weihnachtliches Tourismuszentrum gebaut werden durfte, ist man kurzerhand auf das 200 km entfernte Rovaniemi ausgewichen. Polarkreis in Rovaniemi Eigentlich ist das Ganze mehr oder weniger ein Weihnachts-Shopping-Zentrum mit ganz vielen kleinen Läden. Darüber hinaus kann man den Bärtigen persönlich treffen und für 25 € ein Erinnerungsfoto mit nach Hause nehmen. Im offiziellen Weihnachtspostamt kann man das ganze Jahr über seine Weihnachtspost in einen speziellen Briefkasten stecken und die wird dann pünktlich zum nächsten Weihnachtsfest mit handgestempeltem Sonderstempel verschickt. Zudem landet dort jährlich die Post von mehreren hunderttausend kleinen und großen Kindern. Deren Umschläge, die z.B. nur mit „Santa in Finland” beschriftet sind, werden in kleinen Päckchen als Souvenir zu Gunsten von UNICEF verkauft. Wer sicher gehen will, dass die Post auch wirklich ankommt, der schreibt lieber an die offizielle Adresse: Santa Claus, FIN-96939 Arctic Circle. Mein Geschenk gab es übrigens nicht vom Weihnachtsmann, sondern vom ansässigen Juwelier: die 1 und 2 Cent Münze von Finnland. Glücklich und geschafft ging es anschließen noch einmal einige hundert Kilometer weiter in den Norden bis zum Jugendzentrum Vasatokka in Inari und kurz nach der Ankunft gab es auch schon die ersten Polarlichter zu sehen. Zudem ist die Lichtverschmutzung dort so gering, dass man endlich mal einen Sternenhimmel zu sehen bekommt, wie er richtig sein sollte…

Mittwoch:

Bereits um 8.00 Uhr steht theoretisches Überlebenstraining auf dem Stundenplan. Dort lernt man dann zum Beispiel, dass Bäume Richtung Norden kleinere und kürzere Äste haben oder wie man im Schnee ein Feuer macht. Größere Verletzungen sollte man sich lieber nicht zulegen, das nächste Krankenhaus ist gut 300 km entfernt in Rovaniemi. Feuerstelle Zum Schluss wurde noch der Umgang mit Karte, Kompass & GPS gelernt und dann ging es auch schon zum Schneeschuh-Orientierungslauf in den Winterwald. Wir hatten an dem Tag ziemliches Glück mit dem Wetter. Auch wenn die Sonne unter dem Horizont bleibt, wird es trotzdem hell und der Himmel rot wie eben ganz kurz vor einem richtigen Sonnenaufgang. Dazu noch mitten im Wald mit Unmengen von Schnee, auf dem man mit den Schneeschuhen ziemlich einfach querfeldein laufen kann. Schon dieses Erlebnis an sich war das Highlight des Tages. Den heißen Eintopf zum Mittagessen gab es auch gleich in der Natur und bei -22 °C war das Lagerfeuer nicht nur zum Kaffeetrinken ein beliebter Platz. Der Nachmittag bzw. die Zeit bis zum Eintreten der Dunkelheit um etwa 15 Uhr war gefüllt mit weniger erfolgreichem Eisangeln, Feuer machen und Quinzhee bauen. Letzteres ist eine Art Iglu, das aber nicht aus einzelnen Blöcken, sondern aus einem großen Schneehaufen gebaut wird, der von innen ausgehöhlt wird. Die Nordlichter am Abend waren diesmal noch schöner und weiter als am Tag zuvor.

Donnerstag:

600 km im Bus, nur um zum Arktischen Ozean zu fahren? Das Angebot klang nicht gerade verlockend, aber aufgrund fehlender Alternativen und der Empfehlung früherer Reisender bin ich doch mit – und es hat sich letztendlich gelohnt. Los ging es um 7.00 Uhr morgens als erstes zu den Kirchenstuben am Mantojärvi in Utsjoki. In fast kompletter Dunkelheit waren die Holzbauten aus dem frühen 19. Jahrhundert eher nicht besonders spannend. Tenojoki Den ganzen Tag über war der Himmel voller Wolken und zusammen mit den ständigen Schneeschauern wurde es auch nicht mehr richtig hell. Weiter ging die Fahrt entlang des zugefrorenen Tenojoki, dem lachsreichsten Fluss Europas. Im Spitzenjahr 2001 wurden ganze 250 Tonnen Lachs aus dem Flusssystem geangelt und dabei geht die Saison nur von Juni bis August. Nächste Station war Nuorgam, das nördlichste Dorf Finnlands und der EU. Auf der anderen Seite der Grenze und des Tenojoki liegt Norwegen, was man vereinzelt an der Zahl der Bauernhöfe sehen kann, die sich aufgrund der besseren Förderung durch die norwegische Regierung dort angesiedelt haben. Zum Einkaufen kommen sie dann aber doch lieber auf die finnische Seite und so hat der Supermarkt in Nuorgam extra ein erweitertes Angebot an Fleischprodukten. Je weiter man nach Norden fährt, desto mehr ändert sich die Landschaft. Die Bäume werden kleiner und in Norwegen gibt es dann nur noch Tundra. Die letzten Ausläufer des Golfstroms machen sich bemerkbar, das Klima wird wieder etwas milder und es liegt weniger Schnee als in finnisch Lappland. Das Ziel des Tages war Bugøynes, ein kleines Dorf mit jeder Menge Häuser finnischer Bauart und einem großen Strand zum Arktischen Ozean. Immerhin groß genug für eine Kirche und einmal im Monat kommt ein Pfarrer vorbei. Auf dem anliegenden Friedhof wächst im Sommer die eher seltene Jakobsleiter Polemonium Boreale. Trotz Minusgraden und Schneesturm ließen es sich zahlreiche Leute nicht nehmen, im eiskalten Meer zu baden. Oder eher schreiend hinein zu rennen und genauso schnell wieder heraus zum warmen Bus zurück. (Video) Wegen des schlechten Wetters und zahlreicher Schneeverwehungen ging es anstatt einer Runde auf dem gleichen Weg wieder zurück. Gelohnt hat sich der Tag vor allem wegen der beeindruckenden Landschaft und der kompletten Änderung der Vegetationszone in einem doch relativ begrenztem Gebiet. Das hatte ich so nicht erwartet.

Karte der gesamten Reisestrecke und der Fahrt zum Arktischen Ozean:


Freitag:

Ausschlafen! :) Erst 10 Uhr morgens steht der Skilanglauf-Kurs an. Mit Rücksicht auf die kompletten Neueinsteiger beschränkte sich das Fahren leider ausschließlich auf ein paar Runden im Gelände. Es war trotzdem wieder mal schön, eine Weile auf den Brettern zu stehen und ich hoffe das diesen Winter in Tampere noch etwas ausweiten zu können. Nach dem Mittagessen ging es mit dem Bus zur naheliegenden Rentierfarm. Von den samischen Züchtern gab es jede Menge zur Kultur und den Tradition der Samen, sowie natürlich alles über die Paarhufer zu erfahren. Rentiere geben z.B. relativ wenig Milch, aber die enthält dafür gut 17 % Fett. Nach der obligatorischen Runde im Rentierschlitten zum Erhalt des Rentierführerscheins gab es noch einen Kaffee aus der traditionellen Knollentasse. Die „Kuksa“ wird in einem langen Entstehungsprozess im Ganzen aus einer Birkenknolle hergestellt. Saamische Folklore Jede ist somit ein individuelles Einzelstück und für eine gute Tasse muss man schon mal bis zu 80 € auf den Tisch legen. Das hält einen dann wahrscheinlich wenigstens immer davon ab, die Tasse doch aus Versehen mal in den Geschirrspüler zu stecken. :)
Zum Kaffee gab es Live-Gesang überlieferter samischer Volksmusik, was in etwas wie in diesem Video klingt. Die offizielle Flagge der Saami gibt es übrigens erst seit 1986. Das heutige Design ging damals aus einem Wettbewerb hervor. Der Kreis auf den traditionellen Farben symbolisiert sowohl den Mond als auch die Sonne. Zurück in Vasatokka gab es abends zum Abschluss noch einmal die Gelegenheit, ein letztes mal die Nordlichter zu bestaunen. Dazu muss man übrigens auch bei klarem Himmel etwas Glück haben. Statistisch gesehen ist die beste Zeit von 22.00 bis 2.00 Uhr und selbst dann kann das Naturschauspiel auch mal nur wenige Minuten andauern. Früher gingen die Samen davon aus, dass die Seelen der Toten versuchen darüber zu kommunizieren. In einer anderen Erklärung rennt ein Fuchs über die weitläufigen Fjells und wirbelt dabei mit seinem Schwanz jede Menge Schnee auf, der dann vom Mondlicht reflektiert wird…

Samstag:

Mit Verspätung ging es 9.00 Uhr zurück Richtung Tampere. Den Tag verbrachten wir aber erst noch im 80 km entfernten Saariselkä, um Husky-Schlitten, Schneemobil oder Ski zu fahren. Ich hatte mich für ersteres entschieden und allein die Ankunft war schon ein großartiges Erlebnis. Husky-Hundeschlitten Überall bellten die etwa 50 Hunde an den Schlitten und waren ganz wild darauf, endlich losrennen zu dürfen. In einem Schlitten waren immer zwei Leute, einer saß vorn und einer durfte „fahren”. Die 60 € war es auf jeden Fall wert, aber leider ging das Ganze viel zu schnell vorbei. Die restlichen 6 Stunden habe ich dann in den Läden der Stadt herumgeschlagen. Generell sind im Supermarkt mehr Rentierprodukte zu finden, als normalerweise in Finnland. Dabei ist nicht alles, was aus Lappland scheint, wirklich von dort. Ein Blick auf das Etikett verrät, dass die alkoholischen Knacker oder „Lappland-Kondome” aus deutscher Produktion stammen. Passt zumindest dazu, dass hier auch viele Hinweisschilder ebenso in Deutsch zu finden. Auf Straßenschilder besinnt man sich dann aber wieder auf die eigene Bevölkerung und so ist dort neben der finnischen immer auch noch die samische Bezeichnung mit angegeben. Punkt 18.00 Uhr ging es dann schließlich endgültig zurück auf die gut 1.000 km lange Reise in wärmere Gefilde…


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6Januar2010

Große Pulla-Bäckerei

von werc | 21:07 Uhr | Kulinarisches

Heute habe ich mich zusammen mit Micha aus Leipzig zum erste Mal an selbstgemachten „Pulla” probiert. Das finnische Hefegebäck gibt es in vielen unterschiedlichen Formen und Variationen. Für den Anfang waren die kleinen und relativ einfachen Pikkupulla gerade richtig. Unsere Komposition von vier mehr oder weniger verschiedenen Rezepten bestand aus:

  • einem halben Liter Milch (maitoa)
  • zwei Eiern (kananmunia)
  • einer kleinen Tasse Zucker (sokeria)
  • einem Teelöffel Salz (suolaa)
  • zwei Teelöffeln Kardamom (kaardemummaa)
  • zwei Beuteln (je 11 g) Trockenhefe (kuivahiivaa)
  • gut einem Kilo Weizenmehl (vehnäjauhoja)
  • 150 g Butter (voita)
Pulla-Rolle schneiden

Als erstes wird die Milch erwärmt, die Butter geschmolzen und anschließend beides mit allen restlichen Zutaten zusammengemischt. Gut verrührt und ordentlich durchgeknetet sollte ein schöner Teig daraus geworden sein. Dem lässt man dann gut eine Stunde Zeit, an einem warmen Ort richtig aufzugehen. Danach den Teig in zwei Hälften teilen und beide in der gleichen Größe ausrollen. Die eine wird mit zerlassener Butter bepinselt und mit Zucker bestreut, die andere kommt anschließend als Deckel oben drauf. Als nächstes wird das Ganze wie zu einer Wurst zusammengerollt und in fingerdicke Streifen geschnitten. Zu guter Letzt alles auf einem Backblech im vorgeheizten Backofen bei 200° C goldbraun backen (etwa 10 Minuten).
Et voilà … ofenfrisch besonders lecker und überaus köstlich. :)

Finnische Pulla

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31. Juli 2010, 05:20
Stark bewölkt
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