20 Dezember 2009

Rotes Lamm für guten Mann

von werc | 21:13 Uhr | Märchen & Sagen

…und wenn das vierte Lichtlein brennt, dann gibt es wie versprochen die vierte Geschichte aus Finnland.

Das rote Schaf, an dem alles hängenblieb Grübelmännchen

Es war einmal ein Hirte, der hütete die Schafe. Sein Herr hatte mit ihm ausgemacht, dass er für jedes Schaf, das geboren werde, dreißig Heller Lohn bekomme und für jedes, das verloren ginge, dreißig Heller abgezogen werden sollte.

Eines Nachts kam ein Wandersmann zu ihm in den Wald, wo er sich eine hübsche Hütte gebaut hatte, und bat ihn um Quartier. Der Hirte willigte ein und bot ihm sogleich auch ein Mahl: „Ich will einmal dreißig Heller draufgehen lassen.” So ging er hin, schlachtete ein Lamm und kochte das Fleisch für den Wandersmann. Dann begaben sie sich beide zur Ruhe.

Am anderen Morgen sagte der Wanderer: „Geh und sieh nach deinen Schafen!” Er ging hin und die ganze Wiese war voll von Schafen. In der Mitte der Herde stand ein großes rotes Lamm. „Lass alle Schafe deinem Herren. Nur das Rote behalte für dich”, sprach der Fremde. Und so tat er es auch.

Zur Nacht kehrte er mit dem roten Lamm in eine Herberge ein, um dort zu nächtigen. Die Tochter der Herbergseltern ging morgens in den Stall und wollte sich ein paar rote Locken von dem Schaf abschneiden, um sich ein paar schöne Handschuhe daraus zu machen. Doch ihre Hände blieben an dem Schaf hängen und so fing sie an laut zu schreien. Ihr Vater kam angerannt und schlug mit der Rute nach dem Schaf. Doch auch die Rute blieb am Schaf hängen und der Mann am Rutenstiel. Schließlich kam die Mutter mit dem Kehrbesen zur Hilfe, aber auch der blieb am Schaf hängen und die Mutter am Kehrbesen.

Es ergab sich, dass die Tochter des Königs immer traurig war und niemals lachte. Der König hatte deshalb verkünden lassen, das wer seine Tochter zum Lachen bringe, sie zur Frau und dazu das halbe Königreich erhalten werde. Der Hirte nahm das rote Schaf, zog die Herbergsfamilie hinter sich her und wollte sein Glück bei der Prinzessin versuchen. Als sie das komische Gespann sah, konnte sie sich vor Lachen kaum halten.

Da gaben sie ihm die Prinzessin zur Frau und die Hälfte des Königreichs. Danach machte er die andern frei, und sie lebten glücklich, und vielleicht leben sie heute noch…

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