26 November 2009

Überleben in der Dunkelheit

von werc | 23:56 Uhr | Allgemeines

Leuchtmittel Immer wieder taucht die Frage auf, wie das denn eigentlich so ist, in ständiger Dunkelheit zu leben. Vollständig kann ich darauf nicht antworten, denn ganz so schlimm ist es in Tampere dann doch nicht. Zur Zeit gibt es immerhin noch zwischen 9.01 Uhr und 15.23 Uhr ganze 6 Stunden und 22 Minuten Tageslicht. Ich fahre im Hellen zur Uni und bin dort meist in Räumen ohne Fenster, so dass man den frühen Einbruch der Dunkelheit gar nicht mitbekommt. Abends auf dem Rückweg ist es dann eben dunkel, wie man es normalerweise zu dieser Jahreszeit gewohnt ist.

Es ist auch weniger der kurze Tag an sich, sondern vielmehr das Wetter, das einem zu schaffen macht. Ich kann mich im November an nur zwei bis drei Tage ohne geschlossene Wolkendecke erinnern, ansonsten war durchweg immer alles grau in grau. Ganz passend dazu lautet übrigens die Übersetzung für den Marraskuu „Monat des Todes”, was allerdings weniger auf die erhöhte Selbstmordrate, als vielmehr auf die eher leblose Natur zurückzuführen ist.

Nichtsdestotrotz leiden um die 10% der Finnen an richtigen Winterdepressionen und ein Großteil hat zumindest teilweise mit einzelnen Symptomen wie Müdigkeit, Lustlosigkeit, Gewichtszunahme, Konzentrationsschwierigkeiten oder Stimmungsschwankungen zu kämpfen. Auch nach 10 Stunden Schlaf bin ich den Rest des Tages nicht durchweg richtig munter. Die lokale Studierendenvertretung TAMY und der studentische Gesundheitsdienst YTHS hatten heute zu einer Veranstaltung über das „Überleben in der Kaamos” eingeladen, um etwas näher auf das Thema einzugehen. Allgemeine Empfehlungen: Bewegung an die frische Luft, zwischenmenschliche Kontakte pflegen, die Vorweihnachtszeit auskosten, der eigenen Kreativität freien Lauf lassen und auch mal die Seele baumeln lassen.

YTHS Lichttherapie Aus wissenschaftlicher Sicht und zur Behandlung von Depressionen wird dagegen häufig zur Lichttherapie geraten. Im Gegensatz zu einer Lichtintensität von bis zu 100.000 Lux im Sommer stehen an dunklen Wintertagen maximal 10% davon zur Verfügung. Es gibt daher spezielle Lampen, die mit einem besonders hellen Kunstlicht u.a. den Melatoninspiegel zur Steuerung des Tag-Nacht-Rhythmus im menschlichen Körper wieder ins Gleichgewicht bringen sollen. Beim YTHS gibt es einen extra Raum, in dem man bei Bedarf jeden Morgen seine Lichtdusche genießen kann. Für den Heimgebrauch muss man um die 200,- EUR für solche eine Lampe investieren, aber diese sind nicht so weit verbreitet und es wird eher mal auf die weitaus günstigeren Lichtwecker zurückgegriffen…

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