6 November 2009

Rote Nasen zum Tag der Schweden

von werc | 19:57 Uhr | Flaggentage

Finnische Flagge im Schnee

Schnee über Schnee, wohin das Auge blickt. Man könnte fast annehmen, die Schweden sind immer noch nicht so ganz glücklich über die finnische Unabhängigkeit und schicken aus Frust, dass heute wieder überall im Land die finnische anstatt der schwedischen Flagge gehisst wurde, unaufhörlich Winterwolken zum abtrünnigen Nachbarn. Aber auch nur fast. Der Schnee kam aus dem Baltikum, die Straßenkämpfe der 30er Jahre sind längst Geschichte und der Tag der Schweden hat auch weniger mit den „richtigen“ Schweden zutun, sondern erinnert an die Kultur der Finnlandschweden, sowie die zweite offizielle Landessprache.

Auf Initiative der damals neugegründeten Schwedischen Volkspartei wurde der Tag 1908 zum ersten Mal gefeiert, um das Zugehörigkeitsgefühl der schwedischsprachigen Minderheit zu stärken. Als Datum wurde der Todestag von König Gustav II. Adolf von Schweden gewählt. Er gilt als Wegbereiter für die Herrschaft Schwedens und starb 1632 in der Schlacht bei Lützen im Burgenlandkreis. Anfangs bestanden die Feierlichkeiten hauptsächlich aus Personenkult, begleitet von heftigen Kontroversen aufgrund der verschiedenen Sichtweisen auf die Geschichte und den Dreißigjährigen Krieg. Später im Zweiten Weltkrieg entspannte sich das Verhältnis jedoch wieder, als beide Staaten im Kampf gegen den gemeinsamen Feind im Osten wieder etwas näher zusammenrückten. Einige Zeit lang wurde dem Tag dann deutlich weniger Bedeutung zugemessen, erst ein gestiegenes Interesse an der Kultur von Minderheiten in den 70er Jahren lies die Tradition wieder aufleben.

Nach der Statistik des Tilastokeskus hatte Finnland Ende letzten Jahres 289.951 Einwohner (5,4%) mit schwedischer Muttersprache. Ein Sprachengesetz (PDF) regelt auf kommunaler Ebene, ob eine Gemeinde einsprachig finnisch- bzw. schwedisch- oder zweisprachig ist. Für die Anerkennung von beiden Sprachen muss z.B. die zweite von mindestens 8% der Bevölkerung oder mindestens 3000 Personen gesprochen werden. Das ist heute hauptsächlich entlang der Westküste um Vaasa, sowie nahezu an der gesamten Südküste der Fall (Karte). In Helsinki bemerkt man überall recht schnell die doppelsprachigen Straßenschilder, in Tampere sind diese hingegen ausschließlich in finnisch.

Seit gut 40 Jahre ist für Schüler das Erlernen der jeweils anderen Landessprache obligatorisch und auch für einen Universitätsabschluss verbindlich. Kritik gegen diese Zwangsmaßnahmen, in einer globalisierten Welt den Fokus nicht auf wichtigere Sprachen zu legen, werden von der Politik eher nicht geteilt. Auf der anderen Seite bliebe es in einem zweisprachigen Land wahrscheinlich nicht ohne Folgen. Das Zusammenleben und die gemeinsame Geschichte sind tief verwurzelt und finnlandschwedische Persönlichkeiten wie Jean Sibelius (Finlandia), Tove Jansson (Mumins) oder Linus Torvalds (Linux) stehen für Finnland als Ganzes. Nasentag

Und was hat das alles mit roten Nasen zutun? :) Eigentlich gar nichts, außer das der TV-Sender YLE heute gleichzeitig auch den Nenäpäivä („Nasentag“) ausgerufen hat. Ursprünglich aus Großbritannien, hat sich das Konzept zum Sammeln von Spenden in oft mehrstündigen Fernsehsendungen genauso in andere Länder verbreitet. Der nächste Red Nose Day in Deutschland findet übrigens bereits nächste Woche am 12. November 2009 statt…

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